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An olta Wade

Ein Beitrag von Regina Senfter Stauder

Im Frühsommer kann es das Vieh kaum erwarten, den Stall zu verlassen und draußen den Sommergefühlen zu frönen. Nicht mehr weit ist es bis zum Almauftrieb. In der Nähe vieler Bauernhöfe gab es früher noch ein „Trojlile“ oder eine „Zaine“, um das Vieh auf geleitetem Wege in die Weide zu treiben. Damit es sich an die Freiheit in der Natur gewöhnen konnte, wurde es in den Tagen zuvor in der „Painte“ beim Hof darauf eingestimmt. Die Bauernkinder hüteten in den Heimweiden das Vieh und vertrieben sich dabei die Zeit mit dem Schnitzen von „Maidepfeifen“.

Neben den Weiden in den Fraktionen gab und gibt es bei uns im Tal auch große Almen und auch besondere Weiderechte. So etwa haben die „Stroßa“ (von Strassen in Osttirol) das Recht, auf den Sextner Almen Pferde aufzutreiben. Es war für mich in meiner Kindheit immer ein besonderer Tag, wenn im Juni am Außerberg eine Herde von Pferden mit einigen Reitern dahertrabte und das Klappern der Pferdehufe schon bald in Richtung Mitterberg verhallte.

Einige Gebiete in Sexten, welche vor Jahrhunderten Almen waren, sind heute Wald oder Feld. Eines davon ist der Gsell – gemeint sind damit die Gsellwiesen. Sie zählen zu den ältesten Nutzgebieten in Sexten. Der Flurname Gsell (cunasella) ist wahrscheinlich lateinischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus den beiden Wörtern lacuna und sella. Lacuna bedeutet Loch und sella Sattel. Betrachtet man die Geländeform des Inner- und Außergsells aus der Ferne, so kann man die Sattelform deutlich erkennen. Aus alten Schriftstücken geht hervor, dass der Begriff an die tausend Jahre alt sein dürfte, also weit älter als die Namen der dahinter befindlichen Berge. Sie wurden erst getauft, als das Bergsteigen an Bedeutung gewann. Die Behauptung, dass „do Schuischta an Gsell braucht“ und dass der „Gsellknoutte“ wegen der Dreischusterspitze so zu seinem Namen gekommen sei, ist zweifelsohne eine märchenhafte Erfindung, da es sich beim Begriff Gsell um einen viel älteren handelt.

Ein ebenso altes Wort wie der Ausdruck Gsell ist das Wort Ixe. In Richtung Innerfeld gibt es die Ixenwälder und den Ixenbach.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1333 findet man folgende Aussage: „an der Iechsen bei der Kalkgrube…“. In der Nähe der Alten Säge gibt es heute noch historische Überreste, welche auf das einstige Kalkbrennen hinweisen.

Zur Bedeutung des Wortes Iechse = Ixe :

Ältere Menschen kennen die Ausdrucksweise: „I schwitz unton Iechsn“ (in der Achselhöhle). Ixe wird in der Sprachwissenschaft als verborgener Platz gedeutet. Erste Aufzeichnungen von Ixe gibt es schon im 8. Jahrhundert nach Christi. Betrachtet man den Verlauf des Ixenbaches, so wird er seinem Namen gerecht. Er fließt immer wieder unterirdisch, also im Verborgenen.

Zusammenfassend nochmals einige Schätze aus der staubigen Sextner Wortschatztruhe:

s` Vieche das Vieh
Wade (Wadlbachl) Weide
Trojlile (Familienname Trojer) Steg zum Viehauftrieb
Zaine („di Freidhouffzaine“ = am östlichen Eingang zum Friedhof) Zäune entlang eines Weges
Painte ebenes Grundstück unmittelbar am Hof
Gsell sattelartiges Gelände
Ixe verborgener Ort
Maidepfeife Pfeife aus der Rinde von Laubholzruten
Es maidit se. Es löst sich ab (die Rinde vom Holz).

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