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Eirta und Pfintsta

Ein Beitrag von Regina Senfter Stauder

Sie waren zu Großmutters Zeiten die zwei weiteren Knödeltage in der Woche neben dem Sonntag. Ja dreimal in sieben Tagen aß man zu Mittag Knödel und abends wurden die restlichen geröstet. An den Sonntagen gab es manchmal Gulasch dazu.

Was ich heute aber näher zu erklären versuche, sind die Bedeutungen der Namen unserer Wochentage, vor allem der beiden Bezeichnungen Eirta und Pfintsta.

Die Zeiteinheit Woche, eingeteilt in sieben Tage, übernahmen wir von den Babyloniern bzw. von den Ägyptern. Durch die Griechen und Römer gelangte sie in den gesamten europäischen Raum. Sie ist heute ein in fast allen Kulturen gebräuchliches Zeitmaß.

Das Wort Woche leitet sich von den Wörtern Weichen und Wechsel her. Den einzelnen Wochentagen wurde bei der Namensgebung eine Gottheit und /oder ein damals bekanntes Himmelsobjekt (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars Jupiter und Saturn) zugeordnet. Somit sind diese Bezeichnungen in erster Linie auf das Heidentum zurückzuführen. Im Zuge der Christianisierung allerdings versuchte man allmählich, die starken Verbindungen zu den vielen verschiedenen germanischen Gottheiten abzubauen, indem man zumindest einigen Wochentagen edlere bzw. auf einen anderen Ursprung zurückzuführende Namen verlieh.

Im süddeutschen Sprachraum wurden der Dienstag als Eirta und der Donnerstag als Pfintsta bezeichnet. Woher stammen diese Namen? Unser Mundartwort Eirta bildete sich aus dem Griechischen heraus und bedeutet so viel wie areos hemera (=Tag des Ares). Bei Pfintsta brachte man die Position dieses Tages innerhalb der Woche ins Spiel; er ist laut christlich/jüdischer Zählung der fünfte Tag, also der pempte hemera. Vom Wort pempte (fünfte) leitet sich der Wortteil Pfints- her. Die beiden Wörter Eirta und Pfintsta konnten sich jedoch für die Hochsprache nicht durchsetzen und sind nur noch in der Mundart – und auch dort nur noch selten – zu hören.

Mit den Begriffen Dienstag, Donnerstag und Freitag gab man schließlich in der Standardsprache doch noch drei germanischen Gottheiten eine letzte Ehre: Dienstag geht zurück auf Gott Tyr, den Beschützer des Things (Gerichtsversammlung), und Donnerstag auf Gott Donar, den Donnergott. Der Freitag erhielt seinen Namen wahrscheinlich von der Göttin Frija (Beschützerin der Ehe) und nicht von der nordgermanischen Liebesgöttin Freya, die vielfach als Namensgeberin genannt wird. „friatag“ lässt sich kaum von „fraujon“ (=Freya auf urnordisch) herleiten. Wissenschaftlich eindeutig geklärt ist es allerdings nicht.

Die Wochentage

  1. Tag
Sunnta Tag der Sonne
  1. Tag
Munta/Monta Tag der Mondgöttin
  1. Tag
Eirta Tag des Ares
  1. Tag
Mitta mittlerer Tag der Woche
  1. Tag
Pfintsta fünfter Tag
  1. Tag
Fraita Tag der Frija
  1. Tag
Sontsta/Somsta Tag des Saturn

Zum Schluss noch ein alter Kinderreim zu den einigen Wochentagen:

Houssa, houssa raita,

ibbomorgn isch Fraita,

in Sontsta schtechn mo Kalblan o,

in Sunnta nogn mo Panlan o.

Ich danke all jenen, die mir immer wieder Anregungen geben, worüber ich schreiben könnte. Wenn dieser Text noch nicht Ihr Beitrag ist, bitte ich um ein bisschen Geduld. Ihre Idee ist auf der Warteliste und wird sicher nicht vergessen. Es freut mich besonders, dass wir Sextner unsere Mundart als erhaltenswertes Kulturgut erachten.

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