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S´Maridl und do Seppl

Ein Beitrag von Regina Senfter Stauder

Ein weit verbreitetes Phänomen in den Dialektformen des süddeutschen Raumes ist die teilweise starke Veränderung der Taufnamen im alltäglichen Gebrauch.

Beginnen wir mit den beiden für Tirol typischsten Rufnamen Maria und Josef; sind sie doch nach dem Jesuskind die beiden wichtigsten Figuren in der Krippe. Es gab kaum eine Familie, in der nicht ein Josef und eine Maria vorkamen. Josef, der Tiroler Landesheilige, scheint jedoch derzeit ganz in Vergessenheit geraten zu sein. In Sexten wurde seit über 30 Jahren kein Josef mehr getauft.

Die starken Abweichungen der Rufnamen in der Mundart haben sicher dazu beigetragen, dass viele klangvolle und in unserem Tal einst gängige Namen kaum noch Verwendung finden.

Wie wurden sie nun aber geändert?

Einige Beispiele von Frauen- und Männernamen:

Urschl = Ursula, Nease = Agnes, Mene = Filomena, Grettl = Margareth, Kathl= Katharina, Nanne = Anna, Liese = Elisabeth, Zenze = Kreszenz…

Chruscht= Christian; Voltan = Valentin, Veidl = Vitus, Waschtl = Sebastian, Much = Michael, Flour = Florian, Edl = Eduard, Lutte = Ludwig…

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es noch gang und gäbe, die Namen mit der Endung „–ate“ zu versehen:

do Franzate, do Seppate, do Tonnate, di Tresate, di Nannilate, di Lenate;

Weiter gab es bei den meisten Namen die Verkleinerungsform:

Seppile, Hansile, Kathile, Nannile usf.

Für manche Namen gab es also gleich mehrere Formen:

Josef: Sepp, Seppl, Seppile, Peppe;

Maria: Moidl, Moidile, Midl, Middile, Maridl;

Warum dieser Wandel der Vornamen?

Die Bauern waren die unterste Gesellschaftsschicht. Der hochsprachliche Gebrauch des Vornamens im Alltag war unvorstellbar: Die Schriftsprache ist wegen ihrer Standardisierung durch offizielle Einrichtungen allgemein nicht die Sprache der Nähe und der Emotionen. Sie wird zum Beispiel von der Kirche oder den Gelehrten verwendet, oder um mit Fremden zu kommunizieren. So bildete die bäuerliche Bevölkerung Namensvarianten, die sowohl emotionale Nähe ausdrücken konnten als auch die Zugehörigkeit zur eigenen Gesellschaftsschicht oder zum eigenen Ort signalisierten. Vor diesem sozialen und geschichtlichen Hintergrund betrachtet kann man diese Erscheinung also durchwegs verstehen.

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