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Wio isch des gimant?

Ein Beitrag von Regina Senfter Stauder

Die urigsten und lebendigsten Wörter unserer Mundart sind mit Sicherheit die Adjektive. Während Begriffsbezeichnungen aus der bäuerlichen Welt zuhauf in Vergessenheit geraten, da die meisten Geräte des vergangenen Jahrhunderts kaum noch im Gebrauch sind und sich die Arbeitsweise fast vollkommen geändert hat, finden die „Wiewörter“ noch rege Verwendung.

Mundartliche Eigenschaftswörter werden im Alltag und auch von der jungen Generation in den SMS nach wie vor gebraucht, da sie zur näheren Beschreibung von Gegenständen, Situationen und vor allem Gefühlen dienen. Es finden sich von dieser Wortart Begriffe, welche viele Jahrhunderte überdauert haben. Adjektive aus dem Dialekt sind auch deshalb einzigartig, da es sehr schwer bzw. teilweise gar nicht möglich ist, sie von ihrer Semantik her gesehen exakt in die Schriftsprache zu übersetzen. Man kann sie oft nur annähernd beschreiben. Vor allem Eigenschaftswörter, durch welche wir Empfindungen ausdrücken, sind äußerst interessant, denn was wir mit ihnen in unseren Mundartgesprächen mitteilen, trifft den Nagel auf dem Kopf. Bei bestimmten Wörtern weiß unser Gegenüber genauestens, wie es gemeint ist. Emotionen lassen sich nicht treffender kommunizieren als in der Mundart eines jeden Volkes.

Aus unserem Mundartvokabular:

abich eigensinnig
auschellig übermütig
dokait beleidigt
doleschtort zerfallen (Holzgefäß)
elbe bräunlich (Schaf)
faast dick, fettleibig
fezzilat pedantisch
fiachat Sommersprossen haben
fliaze knapp
flittat undurchschaubar
folchat rothaarig
fruitig lebhaft
gach schnell
gale ungesalzen
giotla leise, vorsichtig
gilaime eng, knapp
giliddig sportlich, agil
giniatig eilig
gitatig weich, mürbe (Stoff)
grantig zornig, aufgebracht
grunnig mürrisch
guschtrig unregelmäßig gewachsen (Holz)
hantig bitter
hausla vorsichtig
hien tot
inwelch verschlagen
kassig sehr scharf auf etwas
kaif robust
knill erschöpft
krapisch lebhaft, willig, beweglich…
lainan träge
laibig gut beleibt
loppat geistig behindert
lotschat benommen
mor mürbe (Gebäck)
mouckat wortkarg
muirilat schmutzig um den Mund
mulzat zäh (Teig)
murre lästig
oltfattrisch altmodisch
orittig steil abfallend
orrig tüchtig
parschtuzat O – Beine haben
piderbig schwächlich
pigganaisch spöttisch
pirchaugat schielend
pituart schwerhörig
prusig ungewaschen
pumpogsund kerngesund
rantsch ranzig (Fett)
rauch stark behaart
riasch heftig in der Wortwahl
scheckat gefleckt
schioche schüchtern
schnaidig hübsch, fesch
schoddlan ständig Unfug anstellen
schuchtlat ungeschickt, hastig bei der Arbeit
soutrat aufgedunsen
schpreckilat klein gefleckt
taddlig behindert an den Gliedmaßen
teppat dumm
tirmisch stur
totschat ungeschickt
tscherwiongat schief
tschiadowait ouffe sperrangelweit offen
tschorgat krumm
tuatgilegn einsam, unbewohnt
votaiglt sehr heftig
wioscht hässlich
woltan sehr viel
ziwiddo zuwider
znicht böse
1 roatlecht rötlich
2 piparoat feuerrot (im Gesicht)
3 plowe blau
4 plitzplowe tiefblau
5 grionlecht grünlich
6 virlett violett
7 gel gelb
8 elbe bräunlich

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