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Heimatpflegeverein Sexten | Ibbos Jouch
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Ibbos Jouch

Ein Beitrag von Regina Senfter Stauder

Ein Traumsommer liegt hinter uns und viele sind wahrscheinlich in ihrer Freizeit während der heurigen lang anhaltenden Schönwetterperiode über Jöcher gewandert. Jöcher überquerten Menschen seit jeher, aber nicht zum Zeitvertreib, sondern aus Zweckmäßigkeit. Handel wurde betrieben, indem man Waren übers Joch verkaufte oder schmuggelte. Auch im Sextnertal gibt es rundum mehrere dafür geeignete Übergänge zwischen den Bergen. Wenn wir unseren Blick nur auf die letzten Jahrhunderte werfen, so kann man sagen – und die Ältesten unter uns gedenken noch Einiges aus dem vergangenen Jahrhundert– spielten sich auch an diesen Jöchern spannende Szenen ab.

Vor dem Ersten Weltkrieg pflegten vor allem die Auronzaner zu den Toblachern und Innichnern gute Kontakte. Ihr Weg führte über das Val Marzon zum Paternsattel und über das Gwengalpenjoch herüber ins Altösterreichische nach Innichen. Als sie auf dem Rückweg am Toblingerknoten vorbeimarschierten und den Patèrnkofl erblickten, waren sie froh, wieder in unmittelbarer Nähe ihrer Heimat zu sein: Siamo in patria! Von daher rührt der Name Patèrnkofel.

Ein wichtiger Handelsweg war natürlich auch der Kreuzbergpass. – Oubm in Kraize hat man früher gesagt. – Die letzthin entdeckte Römerstation ist Zeugnis dafür, dass dieser Übergang von Bedeutung war. Man schacherte Lebensmittel und Werkzeuge mit di Gomelga. Für die Dörfer hinterm Pass gebrauchte man deutsche Namen: Podl = Padola, Krannebittn =Dosoledo und Kondell =Candide.

Durch den Ersten Weltkrieg kam es zu einem jähen Bruch dieser Handelsbeziehungen. Freudschaften wandelten sich zu Feindschaften. Der neue Grenzverlauf am Helm verlagerte die Warenschleuse hinauf in die Pfonne indon Helm. Unter widrigsten Bedingungen und im Bewusstsein, welcher Gefahr man sich aussetzte (im Helmhaus waren immer di Finanza), schmuggelten die Bauern vom Sonnenhang Waren im Helmgebiet hin und her: Wain in Pugglkondl, Tobak und Zacharin, Ouchsn und Tonglmaschinen… So sicherte man sich einen kleinen Zuverdienst in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem großen Krieg. Wenn es mal nichts zu schmuggeln gab, holte man sich hinterm Helm ein Wildbret – Gammazn und Murmilan gab es dort genug- und hoffte, dabei nicht erwischt zu werden.

Auch hübsche und tüchtige Frauen holte man sich hinterm Joch. An vielen Bergbauernhöfen in Sexten stammte die alte Bäuerin von Kotitsch, Sillgan odo Ormpoch.

Zi Fuiß iebo af Hollpruggn und in die Luggaue wollfortn gehörte damals zur Pflicht eines jeden, sofern es ihm die körperliche Gesundheit erlaubte. Dass man nach dem Ersten Weltkrieg lange Zeit nicht mehr problemlos zi do Himmlmuito hinton Perge pilgan gikennt ott, war für die Sextner eine bittere Angelegenheit. Zum Glück wurde diese alte Tradition, die Wallfahrt nach Maria Luggau, neu belebt und so in die Gegenwart herübergerettet.

Ja, ja ibbos Jouch schaugn trug und trägt einen Reiz in sich.

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